Christina von Schweden

Würde sie heute leben, Christina von Schweden (1626-1689) wäre nicht nur der Liebling von Kunst und Kultur, sondern auch des Boulevards. Noch immer und seit mehr als 350 Jahren fasziniert das außergewöhnliche Leben der ­schwedischen Königin die Welt. Ihre Biographie ­zwischen Triumph und Tragödie ist ein Spiegel der politischen, ­religiösen und kulturellen Strömungen des Barock




„Sie sprengte die Fesseln ihrer Zeit“

Leidenschaft, Liebe und ein brisantes Geheimnis: ­Autorin ­Katrin Burseg spricht über ihren neuen, packenden ­Historienroman „Die Rebellin des Papstes“.

Der Roman erzählt das zweite Leben der Christina von Schweden. Wie sind Sie auf die Königin ohne Land gekommen?
Während meines Studiums der Kunstgeschichte habe ich eine Zeitlang in Rom gelebt. Ich habe mich damals mit dem großen Barockkünstler Gian Lorenzo Bernini beschäftigt und en passant auch das römische Leben der schwedischen Königin kennen gelernt. Christina von Schweden war mit dem Cavaliere befreundet, und sie begegnete mir an seiner Seite als „Königin ohne Land“. Ich wusste zwar, dass sie die Tochter des großen Gustav Adolfs war, die Zeit nach ihrem Thronverzicht und ihrem Glaubenswechsel war mir aber unbekannt. Dieses zweite Leben der Christina von Schweden hat mich fasziniert, und es war extrem spannend, von ihrem Kampf gegen die Konventionen ihrer Zeit zu erzählen.

Die schwedische Königin war eine äußerst ungewöhnliche Frau.
Ja, das ist wahr. Würde sie heute leben, Christina von Schweden wäre nicht nur der Liebling von Kunst und Kultur, sondern auch des Boulevards. Sie war faszinierend, verblüffend modern, ehrgeizig und stark, scharfsinnig und immer schwärmerisch auf der Suche. Christina hat sowohl in der Welt der Politik als auch in der Kultur und Wissenschaft als Förderin und schöpferische Denkerin Spuren hinterlassen – und dies in einer stark patriarchalisch geprägten Zeit. Ihr Verständnis von Weiblichkeit, ihr amazonenhafter Auftritt, ihr Benehmen, ihre Sexualität und ihr Körper gaben immer Anlass zu Spekulationen, was 1965 sogar in der Exhumierung und Autopsie ihrer sterblichen Überreste gipfelte.

Warum weist ihr Leben so viele Brüche auf?
Christina von Schweden sprengte die Fesseln ihrer Zeit. Sie war nach Rom gekommen, um endlich frei und selbst bestimmt zu leben. Dafür hatte sie ihren Thron, ihren Glauben und das Erbe ihres Vaters geopfert. Doch der Lebensstil der rebellischen Amazone brachte Papst und Kirche gegen sie auf, die Verwicklung in eine Verschwörung und ein skandalöses Todesurteil gegen ihren Geliebten ließen sie von der gefeierten Heldin der Gegenreformation zur Persona non grata abstürzen. Christina war immer auf der Suche, schnell für ein Abenteuer entflammt und sie pochte auf ihr königliches Selbstverständnis.

Im Roman begegnet sie dem Findelkind Maria und versucht das Rätsel um dessen Familie zu lösen. Ist dieses Mädchen historisch verbrieft?
Nein, Maria ist eine fiktive Gestalt. Die Begegnung beruht also nicht auf historischen Tatsachen, hätte aber dennoch so stattfinden können. Zahlreiche Quellen belegen, dass die Königin stets von kuriosen und ungewöhnlichen Personen umgeben war und diesen ihre Zuneigung oder gar Liebe schenkte, gleich ob Mann, Frau oder Kind. So hatte sie etwa einen kleinen Jungen ihres Hofes ins Herz geschlossen, ließ ihn öfter holen „und hob das Kind manchmal auf den Arm. Als dieser junge Bursche anfing zu laufen, kam er allzeit zur Tafel, ihr die Füße zu küssen, und es füllte ihm die Königin sodann sein kleines Schürzchen voll Früchte und Zuckerwerk“ (Christian Franckenstein, Leben der schwedischen Königin Christina und ihres Hofes, Rom 1705). Die rätselhafte Herkunft des Findelkindes führt die Königin auf eine abenteuerliche Suche nach geheimen Dokumenten, nach den Wurzeln des Glaubens – und nach sich selbst. Sie gerät in den Strudel eines gefährlichen Geheimnisses, das bis an den Ursprung des Christentums zurückreicht.

 
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